Kinder betreuen oder arbeiten – was gilt jetzt?

Die Anweisung des Bundesrats ist unmissverständlich: Ab Montag bleiben sämtliche Schulen des Landes geschlossen. Unklar sind die arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Denn das Arbeitsgesetz sieht Schulschliessungen wegen einer Pandemie nicht vor. Der am ehesten anwendbare Passus besagt lediglich: Ist ein Kind krank, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf drei Tage, die er für die Organisation der Kinderbetreuung einsetzen kann. In dieser Zeit besteht grundsätzlich Lohnfortzahlungspflicht.

Der Haken dabei: Wenn der Staat die Kinder wegen einer Pandemie nach Hause schickt, sind sie nicht krank. «Dennoch sollte der Anspruch auch in diesem Fall gelten, wenn das Kind unerwartet Betreuung braucht», sagt der Arbeitsrechtler Thomas Geiser (67), emeritierter Professor an der Uni St. Gallen.

Und was passiert, wenn es nicht gelingt, eine Betreuung zu organisieren? «Eltern können sich nicht einfach auf den Standpunkt stellen, ihr Kind selbst betreuen zu wollen», sagt Geiser. «Wenn der Arbeitnehmer innerhalb der Frist keine Betreuung organisiert und dann nicht zur Arbeit erscheint, obwohl der Arbeitgeber dann Anspruch darauf hat, ist dieser nicht zur Lohnzahlung verpflichtet.»